Schlaf-Wach-Störungen

Krankheitsbilder 

 

 

Schlaf-Wach-Störungen


Schlaf- und Wach-Störungen sind häufig, treten in jedem Alter auf und können vereinfacht in vier Gruppen eingeteilt werden:
1. Insomnien (zu wenig Schlaf);
2. Hypersomnien (zu viel Schlaf);
3. Parasomnien (Anfälle im Schlaf);
4. Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen (verschobener Schlaf).
 
Schlaf-Wach-Störungen sollen stets als Symptom und nicht als Diagnose interpretiert werden und eine Ursachenabklärung nach sich ziehen.
Schlaf-Wach-Störungen sollten bei Erwachsenen, aber noch viel wichtiger bei Kindern, am besten in einem interdisziplinär vernetzten Zentrum für Schlafmedizin mit Einbezug von Neurologen, Pneumologen, Psychiatern, Neuropädiatern und Schlafmedizinern abgeklärt werden.


Die wichtigsten Diagnosemittel
Ein täglich nachgeführtes Schlaf-Wach-Protokoll über 7-14 Tage, ev. kombiniert mit einer Handgelenks-Aktigraphie liefert schon sehr verlässliche Informationen über die Regelmässigkeit der Bettzeiten, Aufstehzeiten, Wachphasen nachts und über allfällige Tagesschläfchen und damit über Schlafdauer und Schlafrhythmus.

Die überwachte Ableitung im Schlaflabor (Video-Polysomnographie oder V-PSG) gilt als Goldstandard zur Diagnostik einer ganzen Reihe von Schlaf-Wach-Störungen: dazu gehören insbesondere die schlafassoziierten Atmungsstörungen und jegliche Form von Anfällen im Schlaf (Parasomnien). Bei Insomnien ist dies nicht immer der der Fall, bei diesen  wird die V-PSG von der Krankenkasse nur in Ausnahmefällen bezahlt. Bei der V-PSG wird simultan die Hirnstromkurve (Elektro-Enzephalogramm oder EEG), die Augenableitung (Elektro-Okulogramm oder EOG), das Elektro-Kardiogramm (EKG), Muskelableitungen (Elektro-Myogramm; EMG) von der Kinnmuskulatur und von beiden Beinen, der Atemfluss von Mund und Nase, die Brust- und Bauchatmung und der Sauerstoff im Blut aufgezeichnet. Die ganze Ableitung wird auch auf Video aufgenommen, damit die Bewegungen und allfällige Anfälle gut dokumentiert sind.

Eine einfachere Untersuchung, die respiratorische Polygraphie, bei der ausschliesslich die Atmungsparameter erfasst werden, kann bei Verdacht auf ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom ambulant zu Hause eingesetzt werden. Die alleinige ambulante Sauerstoffmessung (Oxymetrie) ist demgegenüber bei Verdacht auf Schlaf-Apnoe-Syndrom zu wenig empfindlich und kann demnach nicht empfohlen werden.

Der Multiple Schlaflatenztest (MSLT) dient dazu, objektiv die Einschlaflatenz zu messen was ein objektives Mass für die Schläfrigkeit ist und zur Unterscheidung zwischen Tagesschläfrigkeit und Tagesmüdigkeit dient. Bei der Narkolepsie kann man in diesem Test eine spezielle Reihenfolge der Schlafstadien erwarten, in dem der REM-Schlaf (REM= Rapid Eye Movement) viel früher auftritt als bei Gesunden.

Der Multiple Wachhaltetest (MWT) ist der wichtigste Test bei der Beurteilung der Fahreignung. Es wird getestet wie lange eine Person unter schläfrig machenden Bedingungen in einem dunklen Raum auf einem Stuhl wachbleiben kann ohne einzuschlafen.

Bei der Aktigraphie handelt es sich um einen kleinen Bewegungssensor welcher am Handgelenk über mehrere Tage getragen wird, was es erlaubt, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu objektivieren.



Die wichtigsten Schlaf-Wach-Störungen


1.    Insomnien
Ein- oder Durchschlafstörungen beklagen bis zu 30% der erwachsenen Personen und ca. 10% nehmen regelmässig Schlafmittel. Als Ursache finden sich oft psychiatrische Krankheiten wie Depressionen, Angsterkrankungen etc. und in bis zu 20% ein Restless legs Syndrom. Nächtliche Schmerzzustände, ein nächtlicher Reflux (saures Aufstossen) oder schlafassoziierte Atmungsstörungen kommen auch als Ursache in Frage. Eine häufige Form ist die psychophysiologische Insomnie, auch erlernte Insomnie genannt, welche sich im Sinne einer ungünstigen Konditionierung aus einer akuten Ein- oder Durchschlafstörung heraus chronifiziert. Insomniker erleiden am Tag weniger an einer eigentlichen Einschlafneigung als viel mehr an einer Müdigkeit, Adynamie, Energielosigkeit, an Konzentrationsstörungen und allgemeiner Leistungsinsuffizienz.

Das Restless legs Syndrom (RLS) ist charakterisiert durch eine unbeschreibliche Bewegungsunruhe in den Beinen im Sitzen und Liegen hauptsächlich am Abend und in der Nacht, welche bei Bewegung bessert. Diese Unruhe führt zu schweren Schlafstörungen, kann aber medikamentös behandelt werden.

2.    Hypersomnien , die ausgeprägte Tagesschläfrigkeit:
Die häufigste Ursache einer Schläfrigkeit ist das banale Schlafmanko. Leider entspricht es der traurigen Tatsache, dass dieses häufig für die  oft tödlichen Verkehrsunfällen infolge Sekundenschlaf verantwortlich ist.
Der Hausarzt kann internistische Ursachen von Schläfrigkeit/Müdigkeit wie eine Unterfunktion der Schilddrüse oder einen Eisenmangel durch entsprechende Laboruntersuchungen ausschliessen.

a. Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS)
Schlafassoziierte Atmungsstörungen betreffen bis zu 5% der Männer und ca. 2% der Frauen. Die betroffenen merken während der Nacht gar nicht wie stark ihr Schlaf durch die wiederkehrenden Atempausen und die darauf folgenden Weckreaktionen gestört ist. Tagsüber spüren sie eine ausgeprägte Schläfrigkeit und Konzentrationsstörungen. Neben der Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit besteht auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten einschliesslich des hohen Blutdrucks. Die effektivste Behandlungsmöglichkeit des OSAS ist die nasale Überbelüftung (CPAP). Dabei wird über eine kleine Nasenmaske ein leichter Überdruck in den Atmungswegen provoziert, welcher das Auftreten von Atempausen verhindert.

b. Narkolepsie und seltene Hypersomnien
Die Narkolepsie mit Beginn in der Adoleszenz kann zu schwerwiegenden Konsequenzen auf die Lehre oder Ausbildung führen. Diese Patienten werden von unwiderstehlichen Schlafattacken überfallen, sind aber nach dem Schlaf für einige Stunden relativ gut erholt und haben in der Regel auch keine Mühe am Morgen aufzustehen. Typischerweise leiden sie auch an emotionell ausgelösten Schwächeanfällen ohne Bewusstseinsstörung, v.a. beim Lachen (Kataplexie).

Bei der oft familiär vererbten idiopathischen Hypersomnie ist die benötigte Schlafdauer über 10 Stunden verlängert, was zu grossen Schwierigkeiten beim aufstehen am Morgen führt.


c. Depression oder andere psychische Krankheiten
Eine häufige Ursache von Schläfrigkeit oder Müdigkeit ist die unvollständig behandelte Depression oder eine andere psychiatrische Krankheit (Nicht Organische Hypersomnie).


3.    Parasomnien
Bei jeglichen Anfällen im Schlaf (Parasomnien) muss unterschieden werden, ob es sich um eine epileptische Ursache, eine psychiatrische Ursache wie z.B. Panikattacken oder um eigentliche Parasomnien handelt. Zu den letzteren gehört z.B. das Schlafwandeln, was aus dem Tiefschlaf heraus auftritt, am häufigsten bei Kindern, aber manchmal bis ins Erwachsenenalter persistieren kann.
Im REM-Schlaf kommt es vor allem bei degenerativen Hirnerkrankungen (Morbus Parkinson, dementielle Erkrankungen etc.) aber auch bei der Narkolepsie oft zum ausagieren von gewaltbesetzten Träumen (REM-Schlaf-Verhaltensstörung), was auch mit Verletzungsfolgen beim Partner oder beim Betroffenen enden kann.

4.    Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen
In den Industrieregionen muss heute bereits jeder 4. Mann und jede 8. Frau Schichtarbeit leisten, was vor allem bei älteren Personen ab ca. 40 häufig zu Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen führt. Die Symptome sind Analog wie beim Jet-Lag, eine Müdigkeit und Leistungsabnahme tagsüber und eine Ein- und Durchschlafstörung während der Nacht, was im Verlauf nicht selten in eine depressive Entwicklung mündet.

5.    Besonderheiten bei Kindern
Die ganze Palette der oben genannten Schlaf-Wach-Störungen kann bereits im Kindesalter diagnostiziert werden. Schlaf-Wach-Störungen beim Kind können die körperliche und geistige Entwicklung verzögern und auch zu Schul- und Lernproblemen führen. Der unerklärte plötzliche Kindstod (SIDS) im Schlaf beim Neugeborenen stellt zum Glück eine seltene aber umso dramatischere Folge einer Schlafstörung dar. Das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom im Kindesalter kann durch grosse Tonsillen oder auch durch ein saures Aufstossen (Reflux) verursacht werden. Psychosozial bedingte Einschlafstörungen sind bei kleinen Kindern sehr häufig und werden öfters durch ein falsches Verhalten der Eltern (Kind schläft bei den Eltern) noch gefördert.
Pädiatrische Schlafzentren mit besonderer Expertise zu Schlafstörungen bei Kindern sind für diese Abklärungen zuständig.


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