Parkinson-Krankheit

Krankheitsbilder

 

 

Parkinson-Krankheit

Einführung
Parkinson ist eine Erkrankung des Gehirns, die sich mit motorischen (= die Bewegung betreffend) und nicht-motorischen Symptomen äussert.

 

Die motorischen Symptome können ein Zittern in Ruhe (= Ruhetremor), eine Verarmung und Verlangsamung von Bewegungen (=Bradykinesie) und eine Steifigkeit (=Rigor) sein.

Die nicht-motorischen Symptome, die bereits am Anfang der Erkrankung vorhanden sein oder der Krankheit sogar vorausgehen können, sind Störungen des Geruchsinns, Schlafstörungen (Ausleben von Träumen = REM-Schlaf Verhaltensstörung), Verstopfung, Schmerzen oder Veränderungen des emotionalen Befindens.

Die erste und bereits sehr detaillierte Beschreibung der Krankheit verdanken wir James Parkinson (1755–1824), der 1817 seine Monographie «AN ESSAY ON THE SHAKING PALSY» veröffentlicht hat. 

Er beschreibt darin die Symptome anhand von 6 Patienten. Drei davon waren seine eigenen Patienten, die anderen drei konnte er nur aus der Ferne beobachten. Später hat der grosse französische Neurologe Jean-Martin Charcot (1825–1893) die Wichtigkeit von Parkinsons Erstbeschreibung erkannt, den Namen «Parkinsonsche Krankheit» geprägt und das Krankheitsmerkmal «Rigor» zu den Kernsymptomen hinzugefügt (zu Zeiten Parkinsons wurden Patienten nicht physisch untersucht, so dass er dieses Zeichen nicht hat erfassen können.) Erst in den 50er-Jahren des letzten Jahrhundert wurde Dopamin als entscheidender biochemischer Botenstoff im Gehirn beschrieben (Arvid Carlsson) und etwas später von Oleh Hornykiewicz erkannt, dass Parkinsonpatienten einen Mangel an Dopamin in den Basalganglien haben. 
Häufigkeit

Parkinson betrifft Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen, die Gründe dafür sind nicht klar. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit zunehmenden Alter zu, auch wenn die Krankheit bei einzelnen Patienten schon sehr früh beginnen kann. Man schätzt, dass bei Menschen über 65 Jahren 1–2% der Männer an Parkinson erkranken.

 

 

 

 

   
Ursachen
Die Ursache der Erkrankung ist weiterhin unklar. Wir wissen heute schon sehr gut, was passiert, aber nicht, warum es passiert. Wir wissen deshalb auch nicht, wie man die Krankheit verhindern oder gar heilen kann.

Es gibt ein paar Risikofaktoren, die diskutiert werden, der wichtigste davon ist sicherlich das Alter. Typischerweise beginnt Parkinson in der 6. Lebensdekade oder später, kann aber in seltenen Fällen auch schon bei ganz jungen Menschen auftreten. Dabei gilt etwa die Faustregel, dass die genetischen (=erblichen) Einflüsse wichtiger sind, je jünger das Erkrankungsalter ist. Parkinson ist aber nur in den allerwenigsten Fällen eine «Erbkrankheit» im eigentlichen Sinne, so dass sich die Kinder von Betroffenen in aller Regel keine Sorgen machen müssen.
Die Krankheit beginnt wahrscheinlich im Hirnstamm, steigt von dort zum Mittelhirn auf. Im Mittelhirn ist die Substantia nigra betroffen, eine Struktur, die eine zentrale Stellung bei der Bewegungssteuerung innehat. Die Zellen der Substantia nigra produzieren einen biochemischen Botenstoff, der Dopamin genannt wird. Sterben die Zellen der Substantia nigra, fehlt diesem motorischen Schaltkreis Dopamin. Hier liegt dementsprechend der therapeutische Ansatz, in dem man den Schaltkreis durch die Zugabe von Dopamin bzw. dessen biochemischem Vorläufer Levodopa wieder zum besseren Funktionieren bringt.
   
Symptome
Die Parkinsonsche Krankheit verursacht motorische und nicht-motorische Symptome.

Die motorischen Symptome sind Bradykinesie, Rigor, Tremor und zu einem späteren Zeitpunkt posturale Instabilität, die Begriffe werden im nächsten Abschnitt erklärt.

Das bekannteste motorische Symptom ist das Zittern. Das Zittern ist typischerweise vorhanden, wenn die Hand auf einer Unterlage ruht oder der Arm entspannt hängt. Bei Hochnehmen der Hand und Ausführen einer Tätigkeit geht das Zittern meist zurück. Wir sprechen deshalb vom Ruhezittern oder Ruhetremor. Nicht alle Patienten mit Parkinson haben einen Ruhetremor, aber alle haben eine «Bradykinesie». Darunter versteht man einerseits eine Bewegungsverarmung, andererseits eine Bewegungsverlangsamung.

Von der Bewegungsverarmung sind vor allem die spontanen unwillkürlichen Bewegungen betroffen, so z.B. das Mitschwingen der Arme beim Gehen, das abnimmt, die Mimik, die weniger lebhaft wird, die Gestik, die zurückgeht, das spontane Schlucken, das seltener wird, weshalb gelegentlich der Speichel nach aussen fliesst, oder das Blinzeln, das seltener wird.
Die Bewegungsverlangsamung wird besonders deutlich bei wiederholten Bewegungen, so z.B. beim Schreiben, das schwerer fällt und zu einem Kleinerwerden der Schrift führt, das Knöpfchenzumachen, das schwierig wird, das Aufdrehen der Spaghetti auf die Gabel, das kaum noch gelingen will.
Wenn der Arzt beim Untersuch die Gelenke bewegt, spürt er einen  Widerstand, eine Steifigkeit («Rigor»), manchmal ist es sogar, als ob ein Zahnrad im Gelenk sitzt, so dass man meint, man fühle das Einrasten («Zahnradphänomen»). Wahrscheinlich steht auch die Haltungsänderung mit dem Nach-Vorne-Geneigtsein und den angewinkelten Armen mit dieser Steifigkeit in Zusammenhang.


Später im Verlauf der Erkrankung sind häufig die posturalen Reflexe gestört (= posturale Instabilität), das heisst, dass sich der Patient nicht mehr auffangen kann, wenn er stolpert und dass es somit unweigerlich zum Sturz kommt, wenn der Körperschwerpunkt ausserhalb von der Mittellinie zu liegen kommt.

Die nicht-motorischen Symptome bei Parkinson tragen einen wesentlichen Teil zur Einschränkung der Lebensqualität bei. Einzelne dieser nicht-motorischen Symptome können den motorischen Symptomen und damit der Diagnose jahrelang vorausgehen. Natürlich sind diese Symptome unspezifisch, d.h., dass diese Symptome auch sonst auftreten können. So bedeutet z.B. eine Abnahme des Geruchsinns nicht, dass man im Verlauf der Jahre an Parkinson erkranken muss.Wichtige und häufig früh auftretende nicht-motorische Symptome sind die Einbusse des Geruchsinns, Schlafstörungen, bei denen man Träume auslebt (Sprechen, Schreien, Umsichschlagen), eine Neigung zur Konstipation oder eine Änderung der emotionalen Befindlichkeit. Im Verlauf können weitere Symptome hinzukommen, z.B. sogenannte autonome Störungen, das heisst Probleme beim Wasserlösen, Nachlassen der Potenz, vermehrtes Schwitzen oder Schwindel beim Aufstehen bis zum Schwarzwerden vor Augen. Häufig sind auch Ein- und Durchschlafstörungen, Schmerzen, Schwierigkeiten, auf Gedächtnisinhalte rasch zuzugreifen und sich so treffsicher und klar auszudrücken, wie man es vor der Krankheit gewohnt war.
   
Therapie

 

Parkinson ist keine heilbare, aber eine behandelbare Krankheit. Gerade in der Frühphase der Erkrankung gelingt es meist, die Patienten wieder beschwerdefrei oder wenigstens beschwerdearm werden zu lassen («Honeymoon-Phase»). Spricht ein Patient nicht auf die Therapie an, stellt sich die Frage, ob es sich wirklich um die typische Parkinson-Krankheit handelt oder um eine als «atypisch» bezeichnete Form, welche meist eine wesentlich schlechtere Prognose hat als die typische Parkinson-Krankheit.


Die Therapie bei Parkinson ist sehr komplex, es stehen eine Vielzahl möglicher Medikamente mit spezifischen Vor- und Nachteilen zur Verfügung. Es ist deshalb von Anfang an sehr wichtig, die Therapie individuell anzupassen, was eine gute Zusammenarbeit zwischen einem erfahrenen Neurologen und dem betreuenden Hausarzt bedingt. Im Verlauf der Zeit können mit fortschreitender Erkrankung Wirkungsfluktuationen und sogar Überbewegungen («Dyskinesisen») auftreten, so dass ausgeklügelte Kombinationen von Medikamenten notwendig werden. Auch die Behandlung der nicht-motorischen Symptome ist häufig eine Gratwanderung, die der entsprechenden Erfahrung des Spezialisten (Neurologe) bedarf.

 

Bei medikamentös nicht mehr befriedigender Einstellung von Wirkungsfluktuationen oder Überbewegungen oder auch bei ganz hartnäckigen Tremorsymptomen kann bei ausgewählten Patienten eine Tiefhirnstimulation (DBS = deep brain stimulation) Hilfe bringen. Dabei werden Schrittmacherelektroden an strategische Schaltstellen des motorischen Netzwerkes eingepflanzt, meist den sogenannten Nucleus subthalamicus oder den Globus pallidus, welche die Störsignale im Netzwerk ausschalten und sie wieder zu einem besseren Funktionieren führen können.

 


Eine festen Platz in der Therapie haben auch rehabilitative Massnahmen, insbesondere Physiotherapie mit Erlernen und Üben eines Heimturnprogrammes, später Gehschulung und Gleichgewichtstraining sowie bei Bedarf Logopädie oder Ergotherapie. Im Verlaufe der Erkrankung werden auch die Anpassungen zu Hause wichtig, so z.B. das Entfernen von Hindernissen wie Türschwellen, das Anbringen von Hilfsmitteln wie Griffen im Bad oder WC. Ganz von Anfang an muss aber hervorgehoben werden, dass die Fortsetzung eines aktiven Lebensstils sowohl körperlich als auch geistig von grösster Bedeutung ist.
   

 

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